Fußball

Lothar Matthäus Kolumne über Mathys Tel, Joshua Kimmich und den FC Bayern

Matthäus kritisiert den FC Bayern für den Umgang mit dem Youngster. Der Sky Experte hat zudem eine Erklärung für Kimmichs Zögern.

Unterföhring, 04.02.2025

Lothar Matthäus erklärt in seiner Kolumne, warum es in der Abwehr des FC Bayern Probleme gibt. Der Sky Experte reagiert auf die jüngsten Aussagen von Uli Hoeneß und erkennt beim deutschen Rekordmeister keinen Plan in der Personalie Mathys Tel.


Uli Hoeneß hat am Sonntag seine Meisteransage aus dem vergangenen Jahr relativiert und warnend auf die vielen Gegentore hingewiesen, die der FC Bayern zuletzt kassiert hat.

Die Defensive zeigt nicht die gewohnte Stabilität und in der Champions League haben die Bayern die direkte Qualifikation für das Achtelfinale nicht erreicht, aber in der Bundesliga gewinnen sie ihre Spiele trotz der vielen Gegentore und stehen immer noch auf Platz eins.


Bayern hat seine Schwächen aufgezeigt bekommen

Ich betrachte es einmal von der anderen Seite: Die Gegentore sind vielleicht ein Zeichen zum richtigen Zeitpunkt vor den wichtigen Spielen in den Champions-League-Playoffs gegen Celtic und im Bundesliga-Topspiel in Leverkusen.

Kompany kann das mit seiner Mannschaft korrigieren. Es ist nicht alles perfekt und Friede, Freude, Eierkuchen und dadurch ist noch einmal höhere Konzentration und höhere Intensität im Training gefordert, um die Gesamtverteidigung zu verbessern.


Die Defensive konnte sich nie richtig einspielen

Die aktuellen Probleme haben eine längere Vorgeschichte. In der großen Bayern-Mannschaft mit Boateng, Hummels, Lahm, Alaba, Alonso und Schweinsteiger waren klare Abläufe erkennbar, aber seit dem Weggang von Alaba konnte sich keiner als Abwehr-Organisator entwickeln.

Was jetzt passiert, sind die Nachwehen aus einer Zeit, als noch andere Personen in der Verantwortung standen und einige gute, aber auch viele unglückliche Transfers getätigt haben, vor allem in der Defensive.

Der Hernandez-Transfer war der Anfang, es wurden Fehler gemacht mit langfristigen und hoch dotierten Verträgen, die man jetzt korrigieren möchte. Es ist keine einfache Aufgabe für Max Eberl, aber trotzdem braucht man eine klare Linie.


Darum zögert Kimmich mit seiner Vertragsverlängerung

Dass Kimmich mit seiner Vertragsverlängerung zögert, könnte daran liegen, dass man ihn in der Vergangenheit nicht so wertgeschätzt oder unterstützt hat, wie er es sich gewünscht hat. Vor eineinhalb Jahren, als in der Vereinsführung und auf der Trainerbank noch andere Personen am Ruder waren, hatte Kimmich nicht das gleiche Standing wie heute.

Vielleicht wussten die neuen Verantwortlichen vor sechs Monaten auch noch nicht genau, was sie wollen, und das Ganze kommt jetzt als Bumerang zurück. Jetzt lässt sich der Spieler vielleicht etwas mehr Zeit bei seiner Entscheidung.


Was für ein Theater um Tel!

Die neueste Entwicklung um Mathys Tel zeigt, was das Ganze für ein Theater ist. Es gibt keine Klarheit, keine klaren Ansagen. Erst wollte man ihn verkaufen, dann will man ihn ausleihen. Das ist der Zickzack-Weg, den auch Felix Magath am Sonntag bei Sky90 beschrieben hat.

Für Tel ist wichtig, dass er Einsätze bekommt. Ob er bei Tottenham spielt, weiß ich nicht, aber ich wünsche es ihm, denn nur dadurch kann er sich verbessern.


Seit zwei Jahren ein Missverständnis

Die Personalie Tel war für mich seit zwei Jahren eine Art Missverständnis. Der Junge ist 19 Jahre alt, er wurde am Anfang gehypt, hat unter Tuchel seine Klasse gezeigt und auch getroffen, aber er hatte danach nicht mehr die Chance, sich zu beweisen. Nicht unter Tuchel, auch nicht unter Kompany.

Auf der rechten Seite hinter Sane und Olise, links hinter Coman und Gnabry und im Zentrum hinter Musiala und Müller - Tel stand überall an dritter Position. Er war meistens nur das fünfte Rad am Wagen und deswegen total verunsichert.

Uli Hoeneß hat gesagt, dass man junge Spieler entwickeln will, aber dann hätte man den einen oder anderen Spieler auf den Tel-Positionen verkaufen müssen.


Bayern hätte Tel einen Plan aufzeigen müssen

Man hätte ihm auch keinen Gefallen damit getan, ihn als Ersatz für Kane spielen zu lassen. Bayern hat mit Choupo-Moting einen Stürmer abgegeben, den man auch als Kane-Backup hätte behalten können.

Man hätte Tel früher verleihen, verkaufen, einen neuen Stürmer holen oder Choupo-Moting als zweiten Stürmer behalten müssen. Bayern hat keinen Backup für Kane, nicht Tel, nicht Müller oder sonst jemand. Das sind alles Sachen, die man hätte anders lösen können.

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